Kapitel 7

Das Grab

Auf der siebten Station der Reise haben wir das Grab als erste Station nach dem Tod kennengelernt. Dieses Kapitel vertieft, was dort geschieht: der Zustand des Verstorbenen, die Befragung durch die zwei Engel und der Unterschied zwischen der Wohltat und der Strafe im Grab. Was im Grab geschieht, ist für uns unsichtbar, und es hängt mit dem zusammen, was wir hier im Leben tun.

Der Zustand des Verstorbenen im Grab

Der Verstorbene ist im Grab nicht „einfach weg“. Die Überlieferungen sagen, dass er hört und spricht, und dass er auf die Fragen der Engel antworten wird. Er hört sogar die Schritte der Menschen, die sich nach der Beerdigung entfernen. Das Grab ist also eine wirkliche Station mit eigenen Regeln — kein Ort des Schweigens. Allah festigt dort die Gläubigen durch das feste Wort:

Allah festigt diejenigen (mit Standhaftigkeit), die glauben, durch das feste Wort im diesseitigen Leben und im Jenseits. Und Allah lässt die Ungerechten in die Irre gehen, und Allah tut, was Er will.

Sure 14:27

Die Befragung durch die zwei Engel

Wenn der Verstorbene begraben ist, kommen zwei Engel zu ihm: Munkar und Nakir. Sie stellen ihm drei Fragen: Wer ist dein Herr? Was ist deine Religion? Wer ist dein Prophet? Der Gläubige antwortet: „Mein Herr ist Allah. Meine Religion ist der Islam. Er ist der Gesandte Allahs.“ Dann wird ihm ein Lager aus dem Paradies ausgebreitet und eine Tür zum Paradies geöffnet, und sein Grab wird weit, so weit das Auge reicht. Wer diese Antwort nicht geben kann, sagt nur: „Ach, ach! Ich weiß es nicht.“ Ihm wird eine Tür zur Hölle geöffnet, sein Grab wird eng, und er wird mit einem eisernen Hammer geschlagen; den Schlag hört alles außer den Menschen und den Jinn. Diese Befragung wurde uns vom Propheten Muhammad (Friede und Segen sei mit ihm) im Hadith von al-Bara’ ibn ‘Azib überliefert (bei Abu Dawud).

Wohltat und Strafe im Grab

Das Grab ist für den Gläubigen ein Ort der Wohltat, für den, der die Wahrheit verleugnet, ein Ort der Qual. Wer im Grab ist, wird dem zufolge behandelt, was er getan hat. Die Strafe im Grab beginnt bereits vor dem Tag der Auferstehung; der Quran berichtet von den Leuten des Pharao, dass sie dem Feuer morgens und abends vorgeführt werden:

das (Höllen)feuer, dem sie morgens und abends vorgeführt werden. Und am Tag, da sich die Stunde erhebt (, wird es heißen): „Lasst die Leute Fir’auns in die strengste Strafe eingehen.“

Sure 40:45–46 (Auszug)

Diese Strafe ist keine Erfindung; sie gehört zum Glauben an das Verborgene, zu dem wir nur Zugang über die Offenbarung haben.

Die Verbindung der Seele zum Körper

Der Verstorbene erfährt Wohltat oder Strafe mit Seele und Körper zugleich. Die Seele bleibt dem Körper im Grab verbunden, auch wenn sie sich in anderer Weise als im Leben zu ihm verhält. Allah kann das, was wir nicht sehen und nicht begreifen, Wirklichkeit werden lassen. Unser Wissen ist klein, und das Verborgene übersteigt es.

Das Grab zeigt uns also, dass unser irdisches Leben Folgen hat — über den Tod hinaus. Was wir antworten können, wenn wir gefragt werden, hängt davon ab, was wir in dieser Welt gelernt und geglaubt haben.

Weiß er denn nicht, wenn durchwühlt wird, was in den Gräbern ist, und herausgeholt wird, was in den Brüsten ist, ihr Herr an jenem Tag ihrer ja fürwahr kundig sein wird?

Sure 100:9–11

Quellen dieses Kapitels

  • Life After Death and Affairs of the Unseen. Scharh Salih al-Fawzan (Erläuterungen von Ibn Taymiyyah).
  • Die drei Grundprinzipien (mit Erläuterungen von Salih al-Fawzan; Übersetzung: Dawud Burbank).
  • Der Quran in deutscher Übersetzung (Projekt-Übersetzung, Wortlaut der Verse).